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THEMA: Die Seife im Wandel der Zeit

Die Seife im Wandel der Zeit 31 Jul 2016 21:49 #1

  • Salvia
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Hallo miteinander
Ich habe zur Seife im Wandel der Zeit eine Aufstellung gemacht. Wer sie mit Bildern sehen will darf gerne auf meine Homepage zu meinen Blogbeiträgen kommen :) ist viiiiel schöner mit den Bildern.

Link zu: Die Seife im Wandel der Zeit

Achtung für Lesefaule: es ist einiges an Infos dabei und viel zu Lesen. Ich hätte zu vielen Jahrhunderten noch weitaus mehr schreiben können aber dann wäre ich nie fertig geworden :side:



Die Seife im Wandel der Zeit
July 31, 2016


In diesem Blogbeitrag möchte ich eine Zeitlinie der Seifenherstellung/- und Nutzung aufstellen.

Wann war die Entdeckung der ersten Seifenähnlichen Masse?
Wie hat sich die Seife und deren Nutzung von den Anfängen bis heute hin verändert?
Was versteht man heute unter Seife?

3. Jahrtausend v. Chr.

Erste Hinweise auf Seifenherstellung finden sich bei den Sumerern. Sie erkannten, dass Pflanzenasche vermengt mit Ölen besondere Eigenschaften hat, und schufen die Basis einer Seifenrezeptur. Man vermutet, dass sie den reinigenden Effekt des alkalischen Gemisches übersahen und sie als Heilmittel für Verletzungen verwendeten.






Ägypter und Griechen übernahmen die Anleitung zur chemischen Herstellung, wobei die
reinigende Wirkung der Seife erst von den Römern festgestellt wurde.
Im Alten Testament bei Jesaja wurde der Gebrauch von seifenähnlichen Produkten aus Fetten und Kaliumsalzen erwähnt. Plinius beschrieb eine altertümliche Seife aus Ziegentalg und Holzasche und dass bei den Germanen eine weiche Seifenart im Gebrauch sei.

Fast 2 Jahrtausende wurde Pottasche mit gelöschtem Kalk in Kalilauge überführt (K2CO3 + Ca(OH)2 = CaCO3 + 2KOH Pottasche + gelöschter Kalk = Kalkstein + Kalilauge)

Kalilauge und Fett, hauptsächlich Rindertalg, wurden zu Seifen verkocht.

2. Jahrhundert n. Chr.
Galen fand bei den Galliern einen häufigen Gebrauch von seifenähnlichen Stoffen (de simplicibus medicaminibus) (Quelle: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver von Otto Spangenberg, S. 2)

7. Jahrhundert n. Chr.
Im Mittleren Osten wurde im 7. Jahrhundert erstmals Öl und Lauge miteinander verkocht und somit die Seife in ihrer heute bekannten Form geschaffen. Mit den Eroberungen der Araber breitete sich dieses Wissen rasch auch nach Europa aus. Frankreich und Spanien gehörten später zu den Zentren der Seifenherstellung weltweit.

Zur Zeit Karls des Großen gab es schon Seifensiedereien.

8. Jahrhunder n. Chr.
In Italien wurde eine Substanz zubereitet, die man als Seife bezeichnete. Diese wurde hauptsächlich aus Olivenöl hergestellt da nur dieses in der Lage war, der Seifenmasse ein efeste Konsistenz und einen angenehmen Geruch zu verleihen.

9. Jahrhundert n. Chr.
Marseille soll einen bedeutenden Handel mit Seife gehabt haben. (Quelle: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver von Otto Spangenberg, S. 2)

12. Jahrhundert
Ein islamisches Schriftstück beschreibt den Vorgang der Seifenproduktion. Es erwähnt die Schlüsselzutat, Alkali, das später entscheidend für die moderne Chemie wird, gewonnen aus Asche.
1130: Ein Seifenrezept wird in der Mappae Clavicula niedergeschrieben (S. 70).
Seife war in ihrer ursprünglichsten Form eine Schmierseife auf Talgbasis, und wurde mit Verlauf des 13./14. Jh. für den (körperlichen) Gebrauch zunehmend von der festen Form auf Pflanzenölbasis abgelöst, welche in Europa seit dem 12. Jh. erst in Spanien (Aragon, Kastillien, Malaga, Cartagena) von den Musulmanen („Heidenseife“, weiße „kastilische“ Seife – Olivenöl, Asche von Meerespflanzen), zunehmend dann aber auch in Italien („venezianische Seife“ und Neapel, Savonien, Genua, Bologna) hergestellt wurde, ehe im 15. Jh. zudem Marseille in Frankreich als weiteres Seifenherstellungszentrum Bedeutung erlangte. Aufgrund der Rohstoffe kamen jedoch die besten, olivenölhaltigen Seife aus den südlichen Ländern, während die nördlicheren (Frankreich, England) eher „billige“ Seife auf Talgbasis bzw. Fischöl weiter herstellte.

13. Jahrhundert n. Chr.


Die Herstellung von Seife in der islamischen Welt wird praktisch industrialisiert, mit Quellen in Nablus, Fes, Damaskus und Aleppo.
Wien wird zu einem der wichtigsten mitteleuropäischen Handelsplätze für v.a. venetianische Seifen, welche von Apothekern und Krämern mit einer relativ hohen gewinnspanne weiterverkauft werden konnten.

Seifenzünfte gab es in Augsburg (seit 1324) Prag (seit 1336) und Wien (seit 1337).
Da die Seifensieder auch zum menschlichen Genuß ungeeignetes und verdorbenes Fett und Öl verarbeiten konnten, war die Seifenherstellung mit einer unangenehmen Geruchsentwicklung verbunden. Die Seifensieder waren daher eher an den Rändern der Städte und Märkte angesiedelt. (Quelle: Museum Bernhardthal)
Bild: Codex Manesse fol. 46v


14. Jahrhundert n. Chr.
1347 - 1353: Ausbruch einer grossen Pestpandemie.
Die Pest-Pandemie verursachte eine tief greifende Veränderung der mittelalterlichen Gesellschaft in Europa. Das Massensterben veränderte die sozio-ökonomische Struktur verschiedener Völker nachhaltig. Pestlazarette wurden errichtet, das System der Quarantäne eingeführt und Seuchengesetze erlassen. ( Quelle: Klett-Perhes Atlas zur Weltgeschichte - Online)

Quelle: Klett-Perhes Atlas zur Weltgeschichte - Online

1371 wurde erstmals ein Seifensieder urkundlich erwähnt. Es war Crescas Davin.
Eines der ältesten überlieferten Seifenrezepte findet sich im Codex Döbringer (MS 3227a) des Germanischen National Museum in Nürnberg. Es handelt sich um eine Sammelhandschrift aus dem Jahre 1389 und enthält zahlreiche Rezepte. Das Seifenrezept steht auf Fol. 121

1389: Ein Rezept verwendet zur Seifenherstellung stark alkalische Asche aus Hartholz (waydasche), ungelöschten Kalk, und hartes Wasser. Ferner benötigst man Alaun, Unschlittfett von einem Schafbock, Pottasche und ein wenig Olivenöl.

15. Jahrhundert n. Chr.

Im Hortus sanitatis (lateinisches Kräuterbuch, das 1491 in Mainz von Jacob Meydenbach erstmals gedruckt wurde) findet sich eine Abbildiung (Buch I, Kapitel 463) von einem Mann mit einigen Seifen.

Venedig war einer der Hauptplätze für den Seifenhandel.

Aus der Zeit um 1500 findet sich in den Rezeptbeschreibungen für diese Seifenart auch eine Unterscheidung zwischen venezianischer und sarazenischer Seife, wobei zweitere sich von ersterer durch eine Grünfärbung (Grünspan lt. Rezept) unterscheidet. Hierbei handelte es sich allerdings primär um Seife zum Waschen des Körpers. Für das Wäschewaschen wurde vorwiegend eine Kernseife aus Talg, Pottasche (Kaliumcarbonat) und Soda (gebrannter Kalk, Calciumoxid – Calciumhydroxid) verwendet.

16. Jahrhundert n. Chr.

Die Nachfrage nach Seife hat extrem zugenommen. Man begann von der handwerklichen zur industriellen Fertigung über zu gehen.

17. Jahrhundert
Savona, Genua und Marseille werden zu den Hauptplätzen des Seifenhandels. England scheint ebenfalls eine bedeutende Seifenfabrikation zu besitzen.
Louis XIV gibt Pierre Rigat, einem Lyoner Kaufmann, das Privileg auf 20 Jahre, dass er allein Fabriken für weisse, marmorierte und alle sonstigen Sorten Seifen und an allen Orten des Landes, welche ihm passten errichten durfte. (Quelle: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver von Otto Spangenberg, S. 3)

Das das Baden kam außer Mode. Die Furcht vor Krankheiten, die im Wasser durch die Poren der Haut in den Körper dringen konnten, war groß. Also griffen Adlige zu Parfum und Puder statt zu Wasser und Seife.


18. Jahrhundert
Heilbäder und Kuranstalten erleben wieder einen wahren Boom. Wer etwas auf sich hielt und für seine Gesundheit tun wollte, der fuhr in eines der zahlreichen Seebäder oder zur Kur.
Die Seifen waren wieder mehr gefragt. Die Menschen begannen sich für die effiziente Herstellung von Soda zu interessieren.
Die französische Akademie der Wissenschaften hatten 1775 für die Lösung der Frage, welches die beste Methode der Umwandlung des Kochsalzes in Soda sei, einen Preis von 2400 Livres ausgeschrieben... 1787 kam Nicolas Leblanc auf den richtigen Weg um Soda zu Produzieren. Später entstand aufgrund dessen die Sodafabrik Payen in Paris.
(Quelle: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver von Otto Spangenberg, S. 4)

19. Jahrhundert


Um 1814 kam das Leblanc-Verfahren zuerst nur in kleinem Masstab zur Anwendung. 1818 führte es Tennant in Glasgow ein und zu ende des genannten Jahres verkaufte man dort bereits die Tonne Kristallsoda zu 41£. In jenem Jahre wurden 100 Tonnen, im Jahre 1829 1400 Tonnen und im Jahre 1876 14000 Tonnen Soda hergestellt.
In grösserem Masstabe wurde das Verfahren aber erst mit dem Jahre 1824 asugeführt, als die Aufhebung der über Gebühr hohen Salzsteuer (bis 30£ pro Tonne) eine Rentabilität erwarten liess, und auch dann noch hatte James Muspratt, der sich um die Einführung des Produktes besonders verdient gemacht hat, grosse Schwierigkeiten zu überwinden, da die Seifensieder die neue Soda nciht kaufen wollten, weil sie so verschieden von der ihnen geläufigen natürlichen Soda, nämlich so sehr viel reiner und stärker war. Muspratt musste, wie A. W. Hofmann (Amtl. Ber. der Londoner Industrieausst. v. 1852. Berlin 1853, S. 518) berichtet, anfangs ganze Tonnen an die Seifensieder in Lancashire verschenken ehe es ihm gelang, Verständnis für die ausserordentlichen Vorteile der Anwendung dieses reineren Präparates zu erwecken.
Von da an wurde in Liverpool mehr Seife jährlich exportiert als vor Einführung des Leblanc-Verfahrens.

Die Einführung der tropischen Pflanzenfette und speziell der Import des Kokosöles und Palmkernöles, deren Verwendung die Herstellung neuer, bisher unbekannter Seifenarten (Leimseifen) ermöglichte, bedeutet alsdann einen weiteren Fortschritt in der Geschichte der Seifenfabrikation.

1857 Die Fragipaniseife entsteht, viele wunderschöne Duftkompositionen sind in folgendem Buch nachzulesen: Seifenklassiker: Von Aleppo bis Zahnseife S. 87


20. Jahrhundert
30-er Jahre


Henry Kendall bringt die Technik der Leimseifen nach Deutschland.
Das erste Kokosöl ist nach Deutschland gekommen. es wurde zuerst von Douglas in Hamburg zur Herstellung von Seifen im Kaltverseifungsverfahren verwendet.

40-er Jahre
Carl Naumann in Offenbach grüdet eine Fabrik zur Ausbeutung des neuen Leimseifenverfahrens. Durch Kendall ist auch die von C. Watt herrührende Methode der Palmölbleiche mit Kaliumbichromat und Schwefelsäure zuerst den deutschen Seifensiedern bekannt geworden.
Die Naumannsche Fabrik ist die älteste deutsche Fabrik, die aus gebleichtem Palmöl Kernseifen angefertigt hat.
1843, J. B. Grodhaus, Darmstadt (damals bekannt durch sein Werk: "Vorteilhafte Betreibung der Seifensiederei und Lichtfabrikation", Darmstadt 1841). Herstellung der "glattweissen Kernseife"

Damals war es schwierig die "neuen" Seifenarten unter die Leute zu bringen da diese den üblichen Geruch fermissten, der den damaligen, oft aus rohen Fetten gesottenen Seifen anhaftete.
(Quelle: Hausseifen, Textilseifen und Seifenpulver von Otto Spangenberg, S. 5)

50-er Jahre
Es wurde wiederholt versucht, Seife in geschlossenen Kesseln unter Druck herzustellen.
Arthur Dunn hat sich in England ein Verfahren patentieren lassen, den Verseifungsprozess durch Anwendung von Druck bei einer Temperatur von 150 bis 160°C zu beschleunigen.
Später schlug Mouveau in ähnlicher Weise vor, die Seifenbereitung in einem geschlossenen, mit Sicherheitsrohr usw. versehenen Kessel vorzunehmen. Dieses Verfahren wurde jedoch wieder aufgegeben, weil die Vorteile, die durch die bei höherem Druck erzielbare, grössere Reaktionsgeschwindigkeit erreicht werden, unbedeutend sich gegenüber den Nachteilen, welche die begrenzten Grössenverhältnisse der relativ kostspieligen Autoklaven bedingen.

60-er Jahre

Die Modernen Waschmaschinen kamen auf, somit auch vermehrt die Nutzung von Waschpulver.

Seife wird vermehrt zum Designprodukt in den Badezimmern.
Grosse Werbekampagnen von Lux.
FA Seife bringt einen für diese Zeit etwas anstössigen Werbespot für die marmorierte Seife.


70-er Jahre
Die Zeit der Hippie-Bewegung
Man setzt auf milde Pflege.


80-er Jahre
Die Mode unterliegt immer mehr der Kosmetik. Die Seifen werden bunter und duften extrem.

2007
Auch Kinder können nun dank der wunderschönen Erklärung in der Sendung mit der Maus die Funktionsweise der Seife verstehen.



Heute:
Fast alle waschen sich mit Flüssigseifen. Blockseifen werden allerhöchstens noch zum Händewaschen verwendet. Viele Leute meinen, dass Blockseifen nicht zum duschen geeignet sind. Wenn ich mit den Leuten ins Gespräch komme sind diese immer wieder überrascht, dass man Blockseifen auch zum duschen verwenden kann und diese sogar pflegender sein können als die Seife aus der Flasche. Vor allem wenn die Blockseife aus auserlesenen Zutaten besteht und sorgfältig hergestellt wurde ;) (meist gehörte Reaktion im Gespräch mit Fremden: "Ich dusche nicht mit Seife." wenn ich frage womit sie denn duschen kommt als Antwort: "mit Flüssigseife." Somit nehme ich an, dass Flüssigseife nicht mehr als Seife angesehen wird)





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